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Zum Blog als solchem
Stammleser wissen es längst, Neuinteressenten und zufällige Besucher merken es, wenn sie genauer hinschauen: Dieser Blog wird von mir nicht mehr regelmäßig bestückt, schon seit 2011. Aus Zeitgründen. Denn meine privaten Interessen haben sich verlagert. Und meine beruflichen Schwerpunkte auch. Zum Beispiel blogge, poste, twittere ich seit 2009 für andere, in derem Auftrag - Stichwort (Selbst-)Marketing. Als Muster (Arbeitsprobe), Informationsquelle und amüsantes Zeitdokument lasse ich die SpäthLese trotzdem bestehen.
Von Partys und 'ner Späthschicht

Ich bin ja eigentlich nicht so der Party-Typ. Party im Sinne von privaten oder öffentlichen Großveranstaltungen. Freunde, Verwandte und Bekannte wissen das. Weil ich lieber mit denen in einem Restaurant sitze, auf der heimischen Terrasse oder in einer Wanderhütte. Jeweils maximal zu acht, damit man noch ganze, zusammenhängende Sätze austauschen kann, und nicht nur Fragmente. Doch es gibt Ausnahmen. Was den Besuch von Partys und die Veranstaltung eigener Festivitäten betrifft.
Letztes Jahr zum Beispiel ging ich zu einer Party, deren Gastgeber und ich uns erst kurz zuvor im Internet kennen gelernt hatten. Die anderen Eingeladenen: unbekannt. Ebenso der Veranstaltungsort, eine großzügig geschnittene Nürnberger Altbauwohnung inklusive Home-Office offenbar. Einblicke in das Leben fremder Menschen zu gewinnen, wie sie das bewohnte Domizil unmissverständlich liefert, finde ich immer spannend: Wird etwas gesammelt (Bücher vs. Zinnsoldaten vs. Schuhe?), hat man einen eigenen Stil gefunden oder Mutters abgelegte Tischdecken, dominieren Showelemente oder Authentizität (unaufgeräumte Ecken?), gibt es das Designerwohnzimmer aus dem Katalog oder eine kreative Kombination verschiedener Einzelstücke, wohnst du noch oder lebst du schon? Erwartet die Gäste ein opulentes Buffet (bestellt, perfekt) oder eine Ansammlung selbst gemachter Häppchen (liebevoll, improvisiert)? Ich werte all das nicht, und mir ist es insbesondere egal, was es zu essen gibt, aber interessant ist es trotzdem. Und manchmal inspirierend.
Was mich eher von einem Party-Besuch abschreckt, ist, wenn die Eingeladenen zuvor quasi unter Zugzwang gesetzt werden. U.A.w.g. bis zum Soundsovielten. Der Soundsovielte liegt zwei Wochen vor dem Fest. Hach. Man weiß doch noch gar nicht, ob man an jenem Tag Zeit und Lust hat. Andererseits wollen Gastgeber kalkulieren können, auch klar. Ich antworte dann meist, es noch nicht so genau zu wissen und frage, ob man auch kurzfristig zusagen oder gar spontan erscheinen könne. An der Antwort erkennt man gute Freunde.
Wer öfter Gastgeber ist, weiß, dass man sich etwas einfallen lassen muss, will man selbst (auch) etwas vom eigenen Fest haben, also nicht nur herumrennen, servieren, die Spülmaschine bestücken. Zum Beispiel Helfer engagieren, auf Self-Service bestehen, ausnahmsweise Einweggeschirr benutzen, oder die Party erst nach der üblichen Abendessenszeit beginnen lassen. Für letzteres entschied ich mich zum Jahreswechsel 2009/2010. Noch ganz in der Twitter-Anfangseuphorie lud ich meine „Follower“ (Abonnenten) via Twitter zum „Twilvester“, einer Silvesterparty speziell für Twitterer aus dem Großraum Nürnberg, ab 23:00, in Burgnähe. Tja, es wurde, wie erwartet, recht lustig. Die (einzige?) Gemeinsamkeit, das verbindende Element der Anwesenden war ja eben, Twitter zu nutzen, als Networking-Instrument, Informationsdienst, Marketingtool, zu Recherche- oder Kommunikationszwecken oder zu-was-auch-immer. Man kannte sich nicht unbedingt persönlich, zuvor, war aber an einer Begegnung im „real life“ interessiert. Witzige Sache, über die der geneigte Leser hier mehr erfährt.
Jüngster Anlass für ein selbst organisiertes Fest war mein Umzug nach 67487 Maikammer in der Südpfalz. Seit Februar 2011 wohne ich nun in dem hübschen Weindorf im Landkreis SÜW, habe mich gut eingelebt, die Gegend erkundet, bestehende Kontakte gepflegt, neue geknüpft, unfassbar freundliche, offene Menschen angetroffen. Kurz, eine kleine Welcome-Party stand an. Ich wählte den 18. Juni, von 14:00 bis 22:00, nannte das Ding „Späthschicht“, wobei das eventuell nicht jeder verstand, und betonte auf der Rückseite der Einladungskarte (Print!), keine Zu- oder Absage zu erwarten, sondern mich gern überraschen zu lassen, gerade auch von spontanen Kurzbesuchen.
Meine Freude am vergangenen Samstag war groß. Anfangs nur zu dritt tranken wir Eiskaffee bis zum Abwinken, bevor unzählige Pappbecher beschriftet wurden, eine temperamentvolle Cockerspanieldame die Terrasse eroberte, man Nürnberger Bratwürste am besten aufaß, der „Schöfferhofer Weizenmix mit Grapefruit“ kurzfristig dominierte, die hilfsbereite Nachbarin I. zig Käsewürfel brachte, das Bose-Soundsystem angetestet, eine vermeintlich schief angebrachte Deckenleuchte kommentiert und diverse Zeitungsausschnitte beäugt wurden, der Weißwein kaum so schnell gekühlt werden konnte, wie es erforderlich war, man Lose zog, es regnete, und dann wieder nicht, und deswegen spätabends die Kerzen brannten, draußen. Alt und Jung kamen ins Gespräch miteinander, hatten Spaß, erzählten sich was. So kam es denn auch zu ein paar Überstunden. Ich danke dem Weingut Heilweck fürs Rotweinsortiment, freute mich sehr über den Besuch der Familien A., F., R., S. und W., die anwesenden Herren A., F. und T., diverse Mitbringsel, kann und soll nicht alle(s) aufzählen, schnell noch Höhn und Hollerith, dafür mit Link, und ach ja, gewonnen hat das Los mit der Nummer 003! Schön war’s!
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one out of a million giraffes

„Schreiben Sie mit uns Internetgeschichte dank eines völlig neuen Konzeptes“, heißt es auf einer hessischen Homepage aus dem Jahr 2005. „Onemillionhomepage – die neue Art der Werbung.“ Neues Konzept? Nun. Ein britischer Student war es, der zuvor auf die Idee kam, insgesamt eine Million Pixel als Online-Werbefläche zu verkaufen, jeweils einhundert Stück zum Preis von 100 Dollar. Seine Webseite füllte sich innerhalb weniger Wochen, nach vier Monaten war sie „sold out“ und der Mann Millionär. Klar, dass Medienberichte viele Nachahmer auf sich zogen. Die meisten von ihnen sind, wen wundert’s, wenig erfolgreich, so auch die Hessen. Dort heißt es noch heute: „Es sind nur (!) noch 993000 Pixel verfügbar.“ (Zu je 1 €, inklusive Mehrwertsteuer.)
An Storys wie diese musste ich sofort denken, als mir neulich onemilliongiraffes.com über den Weg lief, via Twitter. Wieder ist es ein junger Mann, in diesem Fall ein 25-jähriger Norweger, der etwas sammelt. Keine Dollars oder Euros, sondern - Giraffen. Selbst gezeichnete, gemalte, gebastelte Giraffen aus aller Welt. Große, kleine, bunte, blaue, graue, hölzerne, papierne usf.. Wer Teil des Projekts werden möchte, reicht einen oder mehrere zuvor erstellte und abfotografierte Langhälse ein, und wartet auf Freischaltung. Das kostet nichts, und zu verdienen ist auch nichts. Amüsement jedoch ist garantiert. Vielleicht machen genau deswegen so viele Menschen mit. Die Million ist bald voll.
Twittagessen - Twabendessen

Wer sitzt denn da im gleichen Boot? Nr. 14? Warum? Was ist das für ein See? Und warum strahlt uns hier ein unförmiger blauer Vogel an? Twabendessen? Geht’s noch?
Ja, es geht. Und zwar um das 14. Nürnberger Twabendessen, das, wie wir gleich sehen werden, ein wenig aus der Reihe fiel. Und darum seine Gäste auch mit einem ganz speziellen Tischschild begrüßte, ausgestattet mit dem abgebildeten Motiv. Erstellt hat es @pix4pix, mit viel Liebe zum Detail. Bzw. Pixel.
Bei den beiden Damen handelt es sich um Bundesministerin Dr. Kristina Schröder und MdB Dagmar Wöhrl. Frau Schröder hieß früher Köhler. Und unter diesem Namen twittert sie noch heute, also als @kristinakoehler. Am 28.7.2010 haben wir in Nürnberg erfahren, warum. Kristina Schröder hat zu viele Buchstaben, und eine passende, freie Abkürzung ist ihr noch nicht eingefallen. Da hat es eine @dwoehrl natürlich leichter.
Der dicke blaue Vogel, der oben fast ein wenig paralysiert dreinblickt, ist eine Abwandlung des offiziellen Twitter-Logos. Dass die Amis sich für einen Vogel entschieden haben, liegt nahe, weil „to tweet“ zwitschern heißt und Amerikas Kreative ja manchmal etwas, nun ja, merkwürdig sind. Mit Zwitschern ist hier nicht das Konsumieren alkoholischer Getränke gemeint, sondern eine durchweg seriöse Tätigkeit. Twitterer sind Mikroblogger. Das heißt, sie schicken („zwitschern“) Kurznachrichten durch die Gegend, lesen welche, kommentieren oder retweeten (zitieren) sie. Warum sie das tun, ist ein anderes Thema, zu dem sich schon viele Menschen ausgelassen haben haben, ich natürlich auch, weshalb wir das hier jetzt nicht vertiefen.
Wer seine virtuellen Kontakte auf Twitter („Follower“) persönlich – also im „real life“ – kennen lernen möchte, der hat bundesweit bei sogenannten Twittagessen dazu Gelegenheit: Auf einer speziellen Seite im Netz lassen sich Termine eintragen, und jeder, der über einen Twitter-Account verfügt, kann sich online anmelden.
In Nürnberg geschah dies erstmals im Juni 2009. Ich weiß noch genau, wie einige junge Männer und ein paar Zeitungsleute vor ihren Currywürsten saßen, rätselten und spekulierten, nach und nach ihre Identitäten preisgaben – Namensschilder waren damals noch nicht erfunden – und über #, @, RT, ff & Co. fachsimpelten. (Etwas ausführlicher beschrieb dies die Nürnberger Zeitung am nächsten Tag.) Ein paar von uns beschlossen, das Twittagessen zu wiederholen, jedoch auf den Abend zu verlegen. Schon war das Nürnberger Twabendessen geboren. Es erfreute sich rasch großer Beliebtheit, wie die steigenden Teilnehmerzahlen, eine Teilnehmerliste von @vjdeedee und eine eigens eingerichtete Webseite beweisen.
Die 14. Zusammenkunft dieser Art fand nun im „Strandhaus“ am Großen Dutzendteich statt. Letzteres ist ein kleiner See in Nürnberg (beim ehemaligen Reichsparteitagsgelände), auf dem man heutzutage manchmal Bötchen fahren kann; sofern man seine vorhandenen Extremitäten dazu benutzt, vom Fleck zu kommen, indem man einen Antrieb generiert, vgl. Bild.
Stichwort Antrieb. Wie es im einzelnen dazu kam (und ankam), dass Frau Schröder und Frau Wöhrl zeitweise anwesend waren, kann man hier, da und dort längst nachlesen (vgl. Linksammlung). Ich persönlich fand es spannend, die beiden Damen hautnah zu erleben (na ja, ziemlich nah jedenfalls), CDU/CSU hin oder her, ihnen zuzuhören, Fragen zu beantworten, meine Meinung äußern zu können, das ganze Halligalli ringsherum zu beobachten und die resultierenden Zeitungsartikel und Blogposts zu verfolgen. Dass ich auf vielen der publizierten Fotos auch drauf bin, ganz einfach, weil ich ziemlich in der Mitte saß, als die Politprominenz und somit auch die Fotografentruppe sich zu uns gesellte - so what. @lokalheld, @pingu, @prombolany, @vipraum, @spr2, @hirnduebel, @wmaser, @cappellmeister und einigen anderen erging es ebenso.
Fotowettbewerb "Kreativität" #ccf10

"6 Tage, 6 Nächte: Raum für dein Projekt" - unter diesem Motto stand Deutschlands erstes Creative-CoWorking-Festival. Es fand statt, Sensation!, in Nürnberg, und zwar vom 29.6. bis zum 4.7.2010. Zur Bekanntmachung richtete der Initiator u. a. eine eigene mixxt-Community ein. (Auf einer solchen Internet-Community können sich Interessenten über geplante Veranstaltungen informieren, und, sobald sie ein eigenes Profil angelegt haben, ggf. selbst Aktionen einstellen, sich zu welchen anmelden, in ein Wiki schreiben, sich vernetzen u. v. m.). Twitterer, die dem Festival gewogen waren, es (mit-)planten, besuchten oder kommentierten, versahen ihre Updates prompt mit dem Hashtag #ccf10: Jeder, der wollte, konnte auf diese Weise nach aktuellen Kurznachrichten rund um das Festival suchen; und, mitunter ebenfalls interessant, nach deren Autoren. Klar, dass auch erschienene Zeitungsartikel fleißig "vertwittert" wurden. (Möglich ist das, weil Zeitungen wie die NN oder NZ selbstverständlich über ein Online-Archiv verfügen, und die entsprechenden Artikel somit eine jeweils eindeutige URL haben, auf die dann wiederum via Twitter - oder in einem Blog wie diesem - verlinkt werden kann.)
Nun. Es war zu erwarten, dass an einem "Creative-CoWorking-Festival" vorrangig junge (oder jung gebliebene), kreative Leute teilnehmen würden. Aufgeschlossene, experimentierfreudige, ideenreiche Menschen, denen danach ist, gemeinsam an kreativen Projekten zu arbeiten. Um dazu anzuregen, sich mit dem Begriff "Kreativität" als solchem kreativ zu beschäftigen, ersann ich am 29.6. kurzfristig eine eigene Aktion - einen begleitenden Fotowettbewerb zum Thema "Kreativität". Ein Kooperationspartner war schnell gefunden: Michael Schels von der Zentrifuge Nürnberg, dem zentralen Austragungsort des Festivals.
Und so begann der Ausschreibungstext: "Was ist eigentlich Kreativität?" - eine Frage, die in Wirtschaft & Wissenschaft kontrovers diskutiert wird; unter Künstlern, Kreativen, Kulturschaffenden und Freiberuflern sowieso. Das soll uns aber nicht abschrecken. Im Gegenteil. Es sollte uns ermuntern, uns mit dieser Frage auseinander zu setzen. Individuell, subjektiv, kreativ. Nichts liegt also näher, als - begleitend zum laufenden Creative-CoWorking-Festival #ccf10 - einen Foto-Wettbewerb zu starten. Fotografiert ab sofort bitte, was ihr unter dem Begriff "Kreativität" versteht. Das können Menschen sein (die kreativ tätig sind), Werkzeuge oder Assoziationen; das kann ein kreativer Prozess oder Zustand sein; das kann eine Idee sein; das können Ergebnisse kreativen Schaffens sein. Ob die Fotos in der Zentrifuge Nürnberg (= Festivalort) oder außerhalb entstehen, ist nicht von Bedeutung."
Es folgten Hinweise zu den Teilnahmebedingungen (Profil auf - mindestens - einer der Communities ccf10, franken-business, kulturhallenuernberg), zum Einreichungsprocedere, zum Einsendeschluss (3.7.), zur Jury, zu anschließenden Präsentationsmodi, zum Gewinn (zur Verfügung gestellt von printeria).
Und dann wurde es spannend. Teils erreichten mich per Mail stündlich neue Fotos, die verkleinert und hochgeladen werden wollten, selbstredend mit Links zu den Urhebern. Denn eine Auswahl der Wettbewerbsbeiträge sollte auf jeden Fall bereits während des Festivals einsehbar sein (auf einer Webseite, die wiederum in der Zentrifuge via Beamer gezeigt wurde).
Kaum war der Einsendeschluss verstrichen, widmete die Jury sich der Aufgabe, den Gewinner zu ermitteln. Wir einigten uns auf Albert Fertls Motiv "Selbstporträt". Ein in vielerlei Hinsicht äußerst gelungenes Foto, das ich deswegen sehr gerne oben zeige.
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"Bildender Künstler als Beruf"

Mit dieser Überschrift wurde der gestrige BBK-Seminartag hier und dort beworben. Mein Auftraggeber war also weder das Bundesamt für Bevölkerungsschutz & Katastrophenhilfe noch die Bilbao Bizkaia Kutxa (eine spanische Sparkasse) noch - gottlob! - die Bayerische Beamtenkrankenkasse. Sondern der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler.
Dieser Verband vertritt bundesweit mehr als 10.000 Mitglieder, es gibt Landes- und Regionalverbände. Der BBK Regionalverband Nürnberg Mittelfranken hat rund 230 Mitglieder und im März 2010 einen neuen Vorstand gewählt, der einen sehr aufgeweckten und kommunikativen Eindruck macht. Man betreibt ein Blog und neuerdings auch einen Twitter-Account (@bbk_nuernberg).
Zweck meines Vortrags war es, in rund 90 Minuten Möglichkeiten der Selbstpräsentation im Internet aufzuzeigen. Ein marketinglastiges Thema, mit dem manche Künstler überaus kauf- und fachmännisch umgehen, manche eher ungeschickt und manche gar nicht. Empathie war also gefragt. Deshalb begann ich mit einem versöhnlichen Zitat von Vivian Fersch: „Wer Selbstdarstellung betreibt, sollte darauf achten, dass genug Selbst zum Darstellen vorhanden ist.“ Auch inhaltlich stiegen wir erstmal sachte ein. Und zwar mit den einfachsten Möglichkeiten, im Netz präsent zu sein: mit Profilen in Social Networks bzw. Communities - etwa bei Xing, LinkedIn, mixxt (Beispiel: Creative Hotspots-Community Nürnberg), facebook oder Ning (Beispiel: Zentrifuge-Community Nürnberg).
Weiter ging es mit dem Thema „Eigene Webseite, Blog, Webseite mit Blog- und/oder Shop-Modul“ (Positivbeispiele: MAF Räderscheidt, Etelka Kovacs-Koller, Cornelius). Wir sprachen über Domainnamen und HTML, Keywords, Tags, SEO und AIDA. Es folgte der Hinweis auf Einträge in bestimmte Datenbanken, Verzeichnisse, Such- und Informationsportale (allgemeiner und branchenspezifischer Art).
Gut zwanzig Minuten diskutierten wir effektive & effiziente Nutzungsmöglichkeiten des Mikroblogging-Dienstes Twitter, wobei ich der Anschaulichkeit halber ein paar ganz unterschiedliche Accounts vorstellte (@acrylistin, @galerieroyal, @illuman, @Edding, @ACC_Galerie, @mafraederscheid, @tomiungerer, @nuernbergkultur, @rittinergomez, @Moleskine, @johanneshaefner, @NeueGalerie, @Malservice, @KunstArts, @Werbeschlampen, @yokoono, @NZ_Online, @NN_Online, @DWoehrl, @hirnduebel, @guentergloser).
Dass man, wenn einem danach ist, auch selbst gemalte Bilder wie das obige "vertwittern" kann, sieht man übrigens hier.
Was soll ich sagen, wir schafften es sogar noch, uns mit dem Sinn oder Unsinn von Online-Reputationsplattformen (wie myON-ID oder yasni) auseinander zu setzen und, abschließend, die "Selbst-Interview-Adresse" whohub.com anzusprechen. Bevor wir den Abend dann in kleiner Runde im Biergarten ausklingen ließen. (Dabei waren u. a. Uschi Faltenbacher, Angelika Salomon, Frank Hegewald, Walter Hettich, Helge Gerd Wütscher und Uhr Buley.)
PS: Information an alle Seminarteilnehmer: Das ausführliche Vortragshandout wird in Kürze vom BBK per E-Mail versandt; oder als PDF zum Download zur Verfügung gestellt. Einstweilen ist es - mit Passwort - auch hier zu finden. Bei Fragen: Einfach anrufen!
FriedWald: Bestattung in der Natur

Jeder, der geboren wird, muss irgendwann sterben. Insofern ist der Tod eine überaus gerechte Angelegenheit. Dennoch wird er bekanntlich von den meisten von uns verdrängt. Eine Auseinandersetzung mit dem tabuisierten weil ungeliebten Thema findet häufig erst im Alter statt. Oder anlässlich eines Todesfalls in der Familie.
Heute vor einer Woche verstarb meine 91-jährige Omi. Sie hatte umfassende Vorkehrungen getroffen, Listen erstellt, Wünsche geäußert. Das gab unserer Familie Sicherheit. Sicherheit, richtig zu entscheiden. Richtig in ihrem Sinne. Was zum Beispiel den Ablauf der Trauerfeier in einer Kapelle betraf.
Ich selbst möchte ganz anders verabschiedet und bestattet werden. In der Natur, in einem sogenannten FriedWald, unter einem ausgewählten Baum, ohne großes Tamtam. Weil in wenigen Wochen der 34. Standort in Deutschland eröffnet wird, und zwar in meiner Region, brachte ich das Konzept bei unserer gestrigen Freelancer-Wanderung kurz auf den Tisch. Es wurde diskutiert, den Informationstag rund um den neuen FriedWald "Fränkische Schweiz" am 10. Juli 2010 mit unserem nächsten Stammtisch-Ausflug zu verknüpfen. Natürlich war die Mehrheit der Anwesenden der Meinung, dies sei unpassend. Trotzdem tat es gut, in vertrauter Runde die aktuellen Erlebnisse anzusprechen. Und am 10. Juli fahre ich, eh klar, nach Ebermannstadt. Wer mag, kommt einfach mit. Oder folgt dem @FriedWald derweil auf Twitter. In Zeiten wie diesen.
Denglish for Follower: Lesung

Den folgenden Text habe ich in 2009 auf einer Vernissage in Nürnberg vorgetragen (#immfv1 von @frauenfuss, Galerie Armer Teufel, 7.11.). Gefragt waren: Entertainment, Tempo, nichts Literarisches. 1-2 Seiten, Lesezeit maximal zehn Minuten. Im Publikum: kunstinteressierte Twitterer, darunter viele meiner Follower. Neben der eigentlichen Hauptperson des Abends, Michaela von Aichberger.
Morgens, halbzehn in Deutschland. Nee, in der Pause wird kein Knoppers ausgepackt. Nix Milch-Haselnuss-Schnitte. Kein Frühstückchen auf deutschen Schulhöfen. Der Werbespot hat unrecht. Auch wenn er heute Claim heißt. Die Kids von heute sind anders. Completely! Als erstes wird zum Handy gegriffen: Neue Mails checken, doodeln, Szene-Tipps downloaden, ins SchülerVZ einloggen. Mit web’n’walk der T-Com kein Problem. Peter Zwegat wird’s schon richten, Jahre später. – Der Unterstufenschüler, Typ Upstyler, schlurft in den Backshop und holt sich ein Sandwich. Die Mittelstufen-Lady, ganz Smoky Eyes, steht auf Country-Kartoffeln. Voll phat! Und der Oberstufen-Crack kauft sich einen Spinach-n-Cheese-Wrap. Wie abgespact. Auf der chilligen Parkbank, das Netbook auf den Knien, den Coffee-to-go daneben, wird schnell ein Thread gelesen, kurz was gepostet, ein Blog überflogen, der MySpace erweitert, gefacebookt, und mit dem Blind Date in spe gechattet. Wichtige To-dos. Die selbst verordnete Freistunde wird zur Happy Hour.
Mittags, halbeins in Deutschland. Die English Lesson soll beginnen. Der Teacher, fast schon ein Gruftie und kurz vor dem Burn-out, wundert sich schon lang nicht mehr. Wo einst unauffällig und langsam Zettel verschoben wurden, blickt er heute auf rasend schnell simsende Daumen. Wo brave Schüler in grauen Vorzeiten begeistert von ihren Yps-Urzeitkrebsen erzählten, führt Mandy 2009 per MMS die Assi-Sticker der eigenen Mutter vor. Bashing at it’s best. LOL. Besondere Events (Gefühle, Konflikte) dem Tagebuch, einem Moleskine gar, anvertrauen? Schreibenderweise? Ach woher. Verbale und körperliche Auseinandersetzungen gehen online. Mandys Nebenchecker Tom hält mit dem Handy drauf, zoomt und filmt, uploadet die Szene, und alle sind nachher geflasht vom neuen Video auf YouTube. Trotzdem, unser Lehrer ist Idealist und müht sich redlich, seinen Schülern Englisch-Vokabeln beizubringen. Dazu verteilt er sogar Songtexte und wirft den CD-Player an. Vergeblich. Mit James Blunt gewinnt er keinen Blumentopf bei den Teenies. Schon gar nicht bei Mandys und Toms. Nicht Peergroup-kompatibel.
Mittags, halbzwei in Deutschland. Schulschluss. Mandy spricht. Ohne zu stocken, in schnellen Sätzen, ohne größere Bugs zu ihrem Freund: „Hör mal, Tom, du Nullchecker, ich hab keinen Turn aufs Cruisen nachher. Gecancelt. Ich will ja nicht reinstressen, aber ich muss was googeln für die shit Bio-Hausarbeit. Hab null Peilung und werd die faken, wikipeden, copy and paste, you know. Mein Virenschutz ist auch noch nicht geupdatet. Dass jetzt mein Motherboard crasht, wär voll der worst Case. Ich will echt nicht abloosen, du musst allein die Sneakers shoppen gehen. Nimm meine Payback-Card und bring mir die Clutch mit. Also dann, Time-out.“
Nachmittags, halbvier in Deutschland. Eine Universität. Lehrstuhl für Sprachwissenschaften, Vorlesungsbeginn. Der Prof wirft die erste PowerPoint-Folie an die Wand. Weil er ohne nicht performen kann. Darauf Jil Sanders unglückseliger Satz aus den neunziger Jahren. Der Prof liest vor (was auch sonst): „Für meinen Erfolg war mein coordinated Concept entscheidend, die Idee, dass man viele Teile einer Collection miteinander combinen kann.“ Die Studenten grinsen. – Im folgenden geht es um Denglish, Germish oder Engleutsch. Auch mal wertneutral um Anglizismen und Amerikanismen (je nach Herkunft). Dann um BSE (Bad Simple English). Hybridformen (wie Backshop). False Friends. Falsche Freunde, wie Gift Shop, in dem es kein Gift, sondern Geschenke zu kaufen gibt. Um Slanglish. Um Koffer- und Kunstwörter. Um Scheinanglizismen. Wie etwa das Handy. Schließlich sagt der Brite „mobile“ und der Ami kurz „cell“. Tatsache ist, die Dinger sind handlich und praktisch, „handy“ eben. Auf Plattdeutsch heißen sie übrigens Ackerschnacker. - Was bleibt hängen, bei den Studis? Wenn sie eines Tages ein Stellengesuch aufgeben, sollen sie konkret werden. Also nicht: „Dipl.-Whatever, up-to-date, sucht neue Challenge. Countdown läuft. Offer an Chiffre xy“. Sondern ruhig „Chickenshit Adviser“ oder „Facts Fluxioner“; natürlich nur, wenn sie als ausgebildete „Technische Redakteure“ die Hühnerscheiße aus Bedienungsanleitungen entfernen, sprich die Fakten zum Fließen bringen können.
Nachmittags, halbfünf in Deutschland. Ein Senioren-Kaffeekränzchen. Man diskutiert über das leidige Denglish. Sammelt Beispiele. Um Leserbriefe schreiben zu können. An die Lokalzeitung. Bratwurst- und Postpoint, Feel-Good-Suppen, Cross-Over-Küche, Strom Smart, Flatrate, MrWash und das After-Work-Wine-Tasting? Weg damit! Die neue Kirchenzeitung der Innenstadtgemeinden heißt Citykirche. Unmöglich! Und der Schlussverkauf seit Jahren Sale, sale, sale! Unverschämt! In der Zeitung werden After Sales Manager gesucht, wie bitte? Ganz schlimm: Das Baby-Shooting neulich in Pforzheim. (Zur Erklärung: veranstaltet und beworben von einem harmlosen Fotogeschäft.) Weil man über die Deutsche Bahn eh gern schimpft, wettert man über das Rail & Fly-Ticket und die öffentliche Bedürfnisanstalt McClean, die man nicht mehr findet, seit sie so heißt, und die sowieso viel zu teuer ist. Da dem internetfeindlichen Greis nicht klar ist, was ein HotSpot ist und auf dem Bahnhof zu suchen hat, wird über den, na logisch, auch hergezogen. – Man bemüht den „Anglizismen-Index“ vom VDS (Verein deutsche Sprache e. V.). Denn der wartet mit Übersetzungsvorschlägen auf. Aktion lebendiges Deutsch. Statt Sandwich Klappstulle oder Doppelbrot. Statt Brunch „Spätstück“. Späth? Statt Hotline „Heißer Draht“ oder „Teledienst“. Statt Brainstorming „Denkrunde“ oder „Grübelplausch“. Statt Cursor „Blinker“. Statt Event „Hingeher“. – Wir sind heute also bei einem Hingeher ;-).
Abends, halbzehn in Deutschland. Es wird getwittert, was das Zeug hält. Updates, Replies, direct Messages, Retweets. Hashtags. TwitPics. Tweetranks. Twirds. Lists. Follower treffen sich im real Life. Bei @frauenfuss. Auf dass keiner entfollowt wird :-).
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